
Wir sind wieder in Bydgoszcz und buchen uns im Hotel Pod Orlem ein. Die Lage direkt gegenüber des Kaufhauses ist Argument genug. Dieses Hotel atmet seine Vergangenheit aus den Zimmern und Fluren. Wir sind gerne hier.

Das Kaufhaus Conitzer gegenüber aus Tag 1 ist heute nicht unser Ziel. Wir sind in das Haus nebenan eingeladen. Eigentlich sollten wir zum Kaffee kommen, aber Allenstein hat uns zu lange aufgehalten. Es wird also Pizza und Tee.
Dieses Haus neben dem Kaufhaus gehörte ebenfalls der Familie Conitzer, denn die gesamten Häuser an der Ecke Gdanska / Dworcowa wurden von der Familie aufgekauft. An dieser Ecke steht das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne. Die Häuser Dworcowa 3 und 5 blieben erhalten. In den Entwürfen zum Kaufhaus war eine Erweiterung entlang der Straße Dworcowa eingezeichnet. Allerdings wurde diese Erweiterung niemals umgesetzt.

Jetzt dürfen wir also einen Blick in das Haus werfen. Es ist alt, gebaut Ende des 19. Jahrhunderts. Unsere Gastgeberin ließ uns wissen, dass in der Wohnung noch die alten Möbel stehen. Wie kam es überhaupt zu dieser Einladung? Wir erstellten gerade die ersten Texte für die Internetseite conitzer.org, als wir eine Mail aus Bydgoszcz bekamen. Der Inhalt war in etwa so:
Viele Grüße aus Bydgoszcz an die Nachfahren der Familie Conitzer. Ich wohne in einem Haus der Familie Conitzer gleich neben dem wunderschönen Kaufhaus, das leider nicht auf ihrer Liste steht. Es geht um das Kaufhaus „Jedynak„.
FRAu aus Bdygoszcz an conitzer.org
Natürlich trugen wir das Kaufhaus in Bromberg sofort in unsere Liste aller Kaufhäuser ein. Als wir an Tag 1 unserer Tour durch Polen in unserem Hotelzimmer direkt gegenüber des Kaufhauses in Bydgoszcz saßen, erinnerte ich mich an diese Mail, Ich schrieb direkt eine kurze Nachricht mit diesem Inhalt:
Hallo aus Bydgoszcz, wir sind tatsächlich gerade in Bydgoszcz und schauen von unserem Hotelzimmer direkt auf das Kaufhaus. Es ist wirklich ein schönes Haus. Vielen Dank für den Tipp. Morgen fahren wir weiter nach Malbork.
MAIL von Conitzer.org
Die Antwort auf die Mail kam schnell, und sie enthielt eine Einladung. Wir waren sofort begeistert und bedankten uns sehr. Jetzt sitzen wir in der Stube umgeben von wunderschönen, alten Möbeln und essen Pizza. An der Wand hängen ebenso alte wie schöne Bilder.



Unsere Gastgeberin ist wahnsinnig nett, und wir haben uns tatsächlich viel zu erzählen. Meine Frau erzählt von ihren Verwandten und der Flucht ihres Großvaters nach Bolivien. Unsere Gastgeberin hat genau so viele Geschichten ihrer Familie recherchiert. Wir wohnen so weit auseinander und doch verbindet uns soviel. Es bestätigt mich in meiner Überzeugung, dass ich vor allem Europäer bin und die Vielfalt und die Verbindung der Menschen auf diesem Kontinent sehr schätze. Ich bin dankbar in einer Zeit zu leben, in der es mehr um die Verbindung geht als um die Trennung. Schaut man auf die Zerstörung der Städte nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen, dann sieht man deutlich, wozu Ausgrenzung und Diskriminierung führt. In Polen sind wir dieser Zerstörung überall begegnet. Dagegen stehen die neuen Straßen und die Restaurierung alter Gebäude, wie der Marienburg. Der Zusammenhalt in der Europäischen Union hat Polen eindeutig Wohlstand und Wachstum gebracht.
Wir bedanken uns sehr für die Gastfreundschaft in Bydgoszcz. Es war ein schöner Abend. Am nächsten Tag reisen wir leider zurück nach Deutschland.
Weitere Geschichten der Familie Conitzer …
Tag 5 – Unsere Tour durch Polen: Allenstein und die Nettigkeit der Menschen
Tag 4 – unsere Tour durch Polen: Heute ist die Marienburg die Hauptdarstellerin
Tag 3 – unsere Tour durch Polen: Wie die Villa von Arnold Flatauer der Marienburg die Show stiehlt
Tag 2 – unsere Tour durch Polen: Das Archiv von Bydgoszcz oder in Marienwerder gibt es nichts zu sehen
Tag 1 – unsere Tour durch Polen: Wir besuchen das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Bydgoszcz
