Wir waren bei der Stolpersteinverlegung in der Tornquiststrasse 44 in Hamburg, Eimsbüttel. Etwa 60 Anwohner folgten der Einladung der Initiative Sternschanze1942, um den beiden ehemaligen Anwohnern Elna und Tanja Köhler zu gedenken. Sie hatten zuletzt im Keller des Hauses gewohnt.
“Lesser (gennant Lothar) Conitzer wohnte auch hier in der Tornquiststraße 9. Er war der Großonkel meines Großvater. Er war jüngste Sohn von sieben Geschwister. Geboren 1865 in Jeschewo, heute in Polen. Die Familie kam aus ärmeren Verhältnissen. Aber sie arbeiteten hart und halfen sich gegenseitig. So z.B. wohnte Lothar bei meinem UrUrGrossvater Rudolf in Schwetz, während er auf das Gymnasium ging. Alle Geschwister trugen maßgeblich
zum Aufbau und Erfolg des späteren Conitzer Konzerns bei. Im
Jahre 1936 zählten sie mit Stolz 22 Kaufhäuser in ganz Deutschland.
Lothar war der einzige Sohn der nicht Kaufmann wurde, sondern
Arzt. Er wurde ein angesehener Doktor hier in Hamburg, er war
allg. Mediziner und Gynäkologe. Er heiratete Frieda Vogel-Levy,
die aus Bayern kam und 12 Jahre jünger war als er. Zusammen
bekamen sie drei Kinder.
Der erster Sohn hiess Ludwig.
Ein Jahr später kam Tochter Grete,
und zwei jähre später ihr Sohn Manfred.
Der erste Sohn wurde auch Arzt, er war brillant und arbeitete
schon früh als Doktor, leider starb er mit 28 an einem Gehirntumor.
Er liegt jetzt auf dem jüdischen Friedhof in Hamburg
Ohlsdorf.
Seine Tochter Grete heiratete im alter von 22 im Jahr 1924 Hans
Jacoby. Im gleichen Jahr bekamen sie eine Tochter: Annette Jacoby.
Und sie hatten es wirklich weit geschafft, ihr selbst gekauftes
Haus im Jahr 1908 hatte drei Stockwerke und einen riesigen Garten,
erinnert sich Annette ihre Enkelin in ihrer Biographie, als sie als
10-jähriges Kind ihren Großvater besuchte. Lothar führte seine
Praxis im Erdgeschoss und die Familie wohnte oben. Annette
erinnert sich, dass Dr. Conitzer ein großes Herz hatte, wenn die
Patienten kein Geld hatten, dann durften sie auch anders bezahlen.
So bezahlte z.B. ein Künstler mit einem Bild, das im Wohnzimmer
hing. Sie hatten einen Chauffeur und viele Bedienstete, die in der
Küche für die Familie kochten.
Aus heutiger Sicht kann man sagen, sie führten ein ganz normales
Leben und sie waren Bürger, wie du und ich. Das Haus stünde
heute hier direkt auf dem Doormannsweg. Nur wegen einer Rassenpolitik,
die eine Unterschied zwischen Deutschen und Juden
machte, musste er seinen Beruf als Arzt aufgeben und sein Haus
weit unter Wert für 28TRM verkaufen. Aber das Geld hatte er nicht
zur freien Verfügung. Sein Geld war beschlagnahmt und seit 1938
durfte er seinen Beruf nicht mehr ausüben und seinen Doktortitel
nicht mehr führen.
Das Ehepaar musste nach Südafrika fliehen, wo ihr Sohn Manfred
schon seit 1934 lebte. Für die Emigration mussten sie 104TRM zahlen. Wie viele Juden mussten sie ohne finanzielle Mittel abreisen
und sich ein neues Leben im hohen Alter (Lothar war
bereits 72 Jahre alt) im Ausland aufbauen. Er starb 1947 mit
82 Jahren, seine Frau starb 4 Monate später, beide in Kapstadt,
Südafrika. Die Nachfahren, wohnen jetzt in London, England.
Aus zwei Enkelkindern wurden vier Urenkelkinder. Eine davon lässt ausrichten: „may their memory be a blessing“.
Möge das Andenken an die Familie ein Segen für uns sein. Und
aus einem Zitat von meinem Opa: „lasst uns unseren Nächsten
helfen, die schwere Last des qualvollen Lebens unserer Zeit zu
ertragen.“
Wir sollten uns bewusst sein, dass unsere Handlungen weitreichende
Konsequenzen haben. Bis heute tragen wir die Folgen der
Entscheidungen, die unsere Vorfahren vor 87 Jahren getroffen
haben. Heute ist es uns möglich, uns gegenseitig zu unterstützen
und in Frieden miteinander zu leben. Möge dies ein Beispiel für
die ganze Welt sein und solange helfen wir uns gegenseitig.
Here I enclose my speech, I wrote for this event. (Off course in German, but I translated it by deepl) https://conitzer.org/wp-content/uploads/2025/11/Speech-Dr.-Lesser.pdf