Unser Vortrag in Tangerhütte

Kaum sind wir am Bahnhof Tangerhütte aus der Bahn gestiegen , grüßt uns der aufmerksame Herr Will. Er nimmt uns in seinem Auto mit. Wir biegen in die Bismarkstraße ein und da steht es: das ehemalige Kaufhaus Conitzer & Co über dessen Besitzer Nathan Arendt, wir am nächsten Tag berichten werden. Wir fahren vorbei und winken kurz. Es ist schon abends und das Abendbrot im Haus Will steht bereit. Wir kommen wieder – versprochen.

Eine kurze Nacht später stehen wir vor der Wilhelm-Wundt-Schule in Tangerhütte. Wir sind erst einmal sprachlos. Eine Aula, so schön wie eine Kirche. Das Licht fällt durch die bunten Fenster in den Raum. Wenn wir ganz leise sind, hören wir sogar das Gurren der Tauben, die sich in einem Fenster ein Nest gebaut haben. Frau Benze und Herr Groß, der Direktor der Schule, begrüßen uns. Es ist alles perfekt vorbereitet: Laptop anschließen und los geht es. Die Technik übernimmt der Direktor, Herr Groß, persönlich.

Die Stühle sind schon aufgebaut. Frau Benze beruhigt uns: „Wir haben ein paar mehr Stühle hingestellt, damit hier und da ein Stuhl zwischen den Gästen freibleiben kann.“ Wir atmen einmal tief durch. Später müssen dann sogar noch mehr Stühle aufgestellt werden. Der Saal ist voll.

Valentina Holt in der Aula der Wilhelm-Wundt-Schule in Tangerhütte, Quelle: Foto privat

Wir präsentieren die Geschichte der Conitzer Kaufhäuser in Westpreußen, der Emigration und des Neuanfangs von Nathan Arendt in Tangerhütte, als Kaufhausbesitzer. Valentina erzählt die persönliche Geschichte ihres Großvaters, der fünf Wochen im KZ Sachsenhausen inhaftiert war und dann nach Bolivien emigrieren musste. Sie berichtet ebenfalls von ihren Urgroßeltern, die dem Sohn nach Bolivien folgten. Am Ende konnten wir hoffentlich alle Fragen der Gäste und Schüler beantworten.

Valentina Holt vor dem Vortrag in der Wilhelm-Wundt-Schule in Tangerhütte, Quelle: Foto privat

Nachmittags haben wir dann noch einen Spaziergang unternommen. Wir wollten uns das Kaufhaus ansehen. Das Haus steht in der Mitte des Ortes. Es ist eines der alten Häuser, die noch heute den Ort prägen und ihm ein Gesicht verleihen. Ein bisschen mehr Liebe könnte das Haus allerdings vertragen. Leider steht es leer und niemand ist da, der ihm Aufmerksamkeit widmen könnte. Ein Blick in das Innere war uns nicht möglich. Wir behelfen uns also mit unserer Vorstellungskraft und nehmen in Gedanken Abschied: Herr und Frau Arendt winken uns nochmal zu. Langsam verblasst das Bild in unserem inneren Auge. Wir steigen in den Zug nach Stendal und sagen auf Wiedersehen.

Ehemaliges Kaufhaus Conitzer & Co in Tangerhütte, Quelle: Foto privat

Abschließend bedanken wir uns bei Albrecht Will und der Wilhelm-Wundt-Schule für die Gastfreundschaft. Besonderen Dank auch an die zahlreichen Gäste, besonders an die Schüler der 8. und 9. Klasse, die zu dem Vortrag gekommen sind und sich die Zeit genommen haben, diesen Teil der Tangerhütter Geschichte zu hören. Wir haben den Besuch sehr genossen und uns in Tangerhütte sehr wohl gefühlt. Wir kommen auf jeden Fall wieder. Die Stolpersteinverlegung am 23.9.2026 um 9:30 ist fest in unserem Kalender eingetragen.

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