Decke in der Marienburg, Foto: Sven Heine

Tag 4 – unsere Tour durch Polen: Heute ist die Marienburg die Hauptdarstellerin

Wir sind immer noch in Marienburg. Nachdem wir gestern die Villa von Arnold Flatauer besichtigten und uns der Weg in die Marienburg versperrt wurde, nehmen wir uns heute Zeit für das Museum in der Burg. Auf dem Weg zur Burg schauen wir uns noch die Zweigstelle des Kaufhaus M. Conitzer & Söhne aus Marienburg an, das Gebäude hat tatsächlich den Zweiten Weltkrieg überstanden. Im Hintergrund sieht man schon die Ausläufer des Gefängnisses, das hinter dem Gebäude beginnt. Wir drehen uns um und gehen Richtung Burg weiter.

Zweigstelle M. Conitzer & Söhne in der Straße 17 Marca, Foto: Sven Heine

Die Marienburg ist die größte Backsteinburg der Welt. Ich stelle mir den Haufen Legosteine vor, den es für diese Burg bräuchte. Würde ein Leben reichen, um mit diesen Steinen die ganze Burg zu bauen? Im wirklichen Leben war es natürlich nicht nur ein Maurer, der die Wände der Burg gemauert hat, sondern ein ganzer Maurertrupp mit Gehilfen. Mit den Kaufhäusern der Familie Conitzer hat die Burg gemeinsam, dass sie zum Ende des Zweiten Weltkrieges zum größten Teil zerstört war. Es gab dort wirklich diesen riesigen Haufen dunkelroter Steine, die wieder aufeinander gesetzt werden mussten. Zum Glück wurde die Entscheidung getroffen die Marienburg wieder aufzubauen. Die polnischen Restauratoren werden ihre Puzzlefreude gehabt haben. Seit 1997 ist die Marienburg UNESCO Kulturerbe und heute eine wichtige Einnahmequelle der Stadt.

Marienburg (2026), Foto: Valentina Holt
Bild der Zerstörung der Marienburg 1945, Foto: Valentina Holt

Wir hatten am Tag vorher ein chinesisch-amerikanisches Paar getroffen, die von der Burg nicht sehr beeindruckt waren. „Ist alles kaputt, Gibt nur Ausstellung zum Krieg. In 2 Stunden war ich schon fertig und habe im Café gewartet. Ist immer dasselbe.“, sagte die Frau. „Muss man nicht sehen.“ Der Mann widersprach seiner Frau nicht, obwohl er eine Stunde länger in der Burg gewesen war. Meine Erwartungen an die Burg war somit gering. Trotzdem wollen wir die Burg sehen, denn von außen sieht sie wirklich imposant aus.

Wir reihen uns in die Touristentraube vor dem Kartenschalter ein, lösen zwei Eintrittskarten und hängen uns den kostenlosen Audioführer um den Hals. Die Kopfhörer sitzen fest auf dem Kopf. Los geht die Reise in das Mittelalter. Wir werden heute Besucher des Deutschen Ordens sein. Darf ich vorstellen: Dietrich von Altenburg. Er ist der Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahr 1344. Er hat die Sankt-Marienkirche ausgebaut. Später werden wir ihr Inneres sehen. Wir sind höchsterfreut seine Gäste sein zu dürfen. Begleiten wir ihn durch das Schloss und beginnen wir mit der Toilette des Hochmeisters: Locus Secretum.

Wir haben sehr viele Informationen über das Leben der Mönche in dem Deutschen Orden erfahren. Wir haben die Küche, den Essraum und den Schlafsaal gesehen. Interessant waren auch die Schlafgemächer des Hochmeisters und der anderen Würdenträger des Hauses. Die Gestaltung der Innenräume ist überall angedeutet. Aber es gab immer mal wieder interessante Details: Wer weiß schon, dass die Brüder des Ordens alle zusammen gegurtet im Schlafsaal des Ordens geschlafen haben? „Gegurtet“ heißt mit Hose, Hemd und Gürtel im Bett liegend. Ein weiteres Detail war dieses Teufelchen. Es zeigt nicht den Weg in die Hölle sondern den Weg zur Toilette im Turm der Hochburg.

Wegweiser zur Toilette, Foto: Sven Heine

Wir können nicht alles erzählen. Was wir sagen können: Ein Besuch lohnt sich. Das Paar aus Amerika hatte eventuell schon zu viele Sehenswürdigkeiten hinter sich gebracht. Schaut einfach vorbei und verbringt einen Nachmittag im Mittelalter.

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