Ausstellung im Westpreußischen Museum: Mischpacha – משפחה. Jüdische Familien in Danzig und Warendorf

In unserem kurzen Bericht aus Marienburg hatten wir schon erwähnt, dass die Dokumente und Erinnerungsstücke der Familie Flatauer auf dem Weg nach Warendorf sind, um dort in einer Ausstellung über jüdisches Leben in Westpreußen zu erzählen. Wir haben die Ankündigung der Ausstellung im Westpreußischen Landesmuseum in Warendorf direkt vom Museum bekommen. Wir werden die Ausstellung besuchen und berichten. Wer zufällig in der Nähe ist, schaut einfachselbst vorbei.

Westpreußisches Landesmuseum, 05.11.2026 – 27.06.2027 

Die Ausstellung Mischpacha (dt. Familie) lädt dazu ein, jüdische Geschichte aus einer persönlichen Perspektive zu entdecken. Im Mittelpunkt stehen Familienbiografien aus Danzig und Warendorf, zwei rund 1.000 Kilometer auseinanderliegende Städte, deren jüdische Lebenswelten von ganz eigenen Erfahrungen und überraschenden Gemeinsamkeiten geprägt waren. 

Private Fotografien, Briefe und Objekte wie Ritualgegenstände und Hochzeitsgeschenke erzählen ebenso vom Alltag wie von besonderen Ereignissen des jüdischen Familienlebens seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Dabei richtet die Ausstellung den Blick auch auf die häufig weniger beachteten Lebensbedingungen jüdischer Frauen und Kinder wie auf die Vielfalt jüdischer Selbstverständnisse innerhalb der Familien. 

Mitglieder der Familie Schapira während ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten, Rabka-Zdrój /Polen, Sommer 1939. Zu sehen sind u. a. Sofie Schapira und ihre Töchter Martha Gerson und Rosa Warschawczik (v. l.). ©Ghetto Fighters‘ House Museum, Israel. 

Behördliche Dokumente zeichnen zugleich die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen jener Zeit nach: von den neuen Freiheiten und Möglichkeiten, die die Emanzipation mit sich brachte, bis zum zunehmenden Antisemitismus. Dieser mündete während der nationalsozialistischen Herrschaft in Ausgrenzung, Verfolgung und schließlich in der systematischen Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden.

Eine besondere Perspektive eröffnen die Stimmen der Nachfahrinnen und Nachfahren. Sie zeigen, wie Familiengeschichte über Generationen hinweg weiterwirkt – und welche Bedeutung sie heute für jüdisches Leben in Deutschland, Polen, Israel und den USA hat.

Brief von David Warschawczik (Junge in der Mitte des Ausstellungsplakats auf der gegenüberliegenden Seite) aus Haifa/Palästina an seine Mutter Rosa in Rabka-Zdrój /Polen vom 12. Dezember 1941. Der Brief erreichte Rosa im April 1942. Wenig später wurden sie und ihre Schwester Martha ermordet. ©Ghetto Fighters‘ House Museum, Israel. 

Die Ausstellung vereint einzigartige Exponate aus Museen, Archiven und Privatsammlungen weltweit. Zu den Leihgebern zählen unter anderem die Jüdischen Museen Westfalen, Berlin, Frankfurt und New York, das LWL-Museum für Kunst und Kultur, die israelischen Gedenkstätten Yad Vashem und Ghetto Fighters‘ House Museum sowie das Stadtmuseum Malbork. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Ergebnisse des Fotowettbewerbs „Blickwechsel: Jüdisches Leben im Münsterland“, die neue Perspektiven auf das jüdische Leben in der Region eröffnen. 

Ein vielfältiges Begleitprogramm lädt dazu ein, die Themen der Ausstellung aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu vertiefen. Es umfasst Vorträge und Workshops zur jüdischen Geschichte und zur Geschichte des Antisemitismus in Westpreußen und Westfalen, Lesungen mit der Autorin Mirna Funk und dem Autor Gisbert Strotdrees sowie Veranstaltungen zur Antisemitismusprävention in Kooperation mit der Beratungsstelle ADIRA. Abgerundet wird das Programm durch ein abwechslungsreiches museumspädagogisches Angebot rund um jüdische Feiertage und Familiengeschichten. 

Weitere Informationen unter: https://westpreussisches-landesmuseum.de 

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