
Wir erreichen spätabends unser letztes Ziel: Allenstein. Das ehemalige Kaufhaus M. Conitzer & Söhne stand am Marktplatz. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Von den Gebäuden am Markt war nur eines stehen geblieben.
Wir wollen zum Marktplatz. Allerdings steht vor uns ein Hindernis, dass unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt: Das Parkticket. Verzweifelt starren wir auf unser Handy und versuchen den Parkautomat zu überreden unser Geld für das Parken anzunehmen. Nach der Installation der dritten App auf dem Handy wollen wir schon aufgeben, als eine Frau mit Kinderwagen uns anspricht. „Do you need help?“, fragt sie. Wir drücken unsere Verzweiflung aus und schieben die Schuld auf den Automat. Sie sagt: „Keine Sorge ich zahle euren Parkschein.“ Wir protestieren und bieten ihr EUROs an. „Ich hab auch PayPal.“, sagt meine Frau. „Don’t worry!“, antwortet die Frau mit dem Kinderwagen, „Have a nice stay in Olstyn.“ Wir schauen ihr erstaunt hinterher und freuen uns über die Nettigkeit der Menschen. Allenstein, du hast ein Stein bei uns im Brett. Wir eilen zum Marktplatz.


Auf dem Marktplatz schauen wir auf das Haus in der Stare Miasto 7. Hier stand das Kaufhaus. Das Haus dort sieht dem Original ähnlich. Es hat einen eigenen Charakter. Obwohl das neue Haus eindeutig zu niedrig ist. Es fehlen zwei Stockwerke. Auf dem Weg um das Kaufhaus herum fallen uns weitere Details auf: im Keller ist eine Diskothek und das Haus hat sehr viel Tiefgang. Wir kaufen im Geschäft ein paar Dinge für unsere Töchter.

Auf dem Marktplatz suchen wir ein Café. Ich marschiere schon los, blicke mich um und sehe, meine Frau in die andere Richtung gehen. Hatte sie nicht gerade von ihrem Koffeinmangel berichtet? Es muss schon etwas sehr wichtiges dazwischen gekommen sein. Ich drehe mich wieder um und folge ihr. Sie steht vor einem Stand. Hier gibt es Magnete für den Kühlschrank, Bilder von Olstyn, Bücher über Allenstein und diverse Souvenirs, die dazu dienen sollen, sich an die schöne Reise zu erinnern. Ein paar gerahmte Bilder hängen an der Seite des Standes. Hier finde ich meine Frau. „Schau mal, da ist doch das Kaufhaus.“, sagt sie und zeigt auf das Bild.

Eine Stimme hinter dem Stand macht auf sich aufmerksam. „Wir sprechen auch deutsch.“ Eine Frau steckt uns ihren Kopf entdecken und lächelt. „Was suchen sie denn?“ Wir erzählen vom Kaufhaus der Familie meiner Frau in Allenstein, und deuten auf das Haus schräg gegenüber des Standes. „Das ist aber interessant“, sagt die Frau und fügt hinzu, „da muss ich auch mal genauer gucken.“ Wir haben die Frau auf unserer Seite. Sie gibt uns einen Stapel Bücher: „Vielleicht findet ihr hier etwas.“ Sie fügt hinzu: „Hier habe ich noch das Adressbuch von 1932. Einem Besucher ist es letztens aus der Hand gefallen. Also seien sie vorsichtig. Es war sehr aufwendig die Seiten wieder zu sortieren.“ Ich finde den Eintrag für das Kaufhauses, die Adresse von Margarthe Bennheim, der Witwe des Geschäftsführers Siegfried Bennheim und die Adresse von Max Berlowitz. Er war der Geschäftsführer ab 1926 bis zur Arisierung des Kaufhauses im Jahr 1935. Das ehemalige Haus der Bennheims ist sogar ganz in der Nähe.
Meine Frau ruft von den Büchern herüber, „Hier steht: Der im September 1907 eröffnete Bau, ausgerüstet mit einem Aufzug, galt damals als modernstes Geschäftshaus der Stadt.“ Sie hält das Buch „Olsztyn – szlak wędrowny / Ein Wanderweg“ von Wojciech Kujawski in der Hand. Später ruft sie: „Es gab sogar ein EPEGE Geschäft in Allenstein!“ Ich schaue auf und gehe zu ihr hinüber. Zusammen schauen wir auf ein Buch von Rafat Bętkowski mit dem Titel „OLSZTYN jakiego nie znacie“. Tatsächlich gibt es dort ein Bild von dem EPEGE Geschäft in Allenstein. EPEGE oder die Einheitspreisgeschäfte waren eine Erfindung aus den USA, die Anfang der 1930er Jahre nach Europa kam. Im Grunde waren sie die ersten 1-EURO-Geschäfte. An diesen EPEGE Geschäften war der Urgroßvater von Valentina, Alfred Conitzer, beteiligt.
Eigentlich wollten wir das Museum in Olstyn besuchen. Jetzt haben wir hier am Stand von Pawel Pakula soviel Zeit verbracht und soviel erfahren, dass der Besuch im Museum leider ausfallen muss. Also falls sie nach Allenstein kommen, besuchen sie den Stand am Markt und grüßen sie Pawel von uns sehr herzlich. Bei Pawel finden Sie alle Informationen über Allenstein.
Wir beschließen zum Abschluss dem Haus der Bennheims noch einen Besuch abzustatten, aber erst einmal geht es jetzt wirklich in ein Café. Danach geht unsere Reise zurück nach Bydgoczsz. Dort wartet der nächste Termin auf uns. Wir freuen uns schon sehr darauf.

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