„Lass uns heute zum Flohmarkt gehen.“, schlägt meine Frau vor. „Jaaa! Flohmarkt.“ Unsere jüngste Tochter springt vor Begeisterung an die Decke. Sogar ihr Handy steckt sie sofort in ihre Hosentasche. Der Flohmarkt ist auf dem Dach des Kaufhauses um die Ecke. Das Kaufhaus ist geschlossen. Wir steigen die Treppen hoch und stehen auf dem alten Parkplatz. Er ist voller Menschen auf der Suche nach Schnäppchen. Unsere Töchter stiefeln los und verschwinden in dem Gewirr von Ständen und Menschen. Eine Stunde später sitzen wir auf den Bierbänken und ruhen uns aus. Unsere Töchter präsentieren stolz ihre Schnäppchen. Meine Tochter schaut auf und fragt: „Bei Paul Conitzer gab es doch auch ständig Schnäppchen?“ Ich entgegne: „Paul war der König der Schnäppchen. Leider ist Paul früh gestorben. Seine Firma lebte aber weiter. Ich kann euch die Geschichte weitererzählen. Ich hätte zwei Hochzeiten, ein Jubiläum und einen Todesfall zu bieten.“
„Hochzeit?“, meine Tochter blickt auf. „Papa, du MUSST erzählen wer heiratet!“ Hochzeit und Romantik sind die Spezialgebiete meiner Tochter. „Ich kann doch nicht am Anfang der Geschichte alles verraten.“, sage ich und füge hinzu: „Ich wollte eigentlich mit dem Jubiläum anfangen.“ Meine Tochter kräuselt die Stirn. „Warum fängst du mit dem langweiligsten Thema an?“. Ich entgegne: „So langweilig ist es gar nicht. Ich habe aus Duisburg ein paar Geschenke bekommen und damit wird das Jubiläum wirklich interessant.“ Meine andere Tochter guckt von ihrem Handy auf. „Geschenke? Darf ich die später auspacken? Bitte, Papa.“ Ich antworte: „Es sind leider nur Bilder von Postkarten, die ich per Email bekommen habe.“ Ich schaue in zwei enttäuschte Gesichter und beschließe doch mit der Hochzeit anzufangen.
Am 22. April 1921 verlobte sich Lina Conitzer mit Benjamin Lazar und heiratete ihn am 15. Juni 1921 . Benjamin Lazar trat am 2. Dezember 1921 in die Paul Conitzer G.m.b.H ein und übernahm zusammen mit seiner Frau Lina die Geschäftsführung der Firma . Das größte Etagengeschäft am ganzen Niederrhein wurde nach dem Tod von Paul Conitzer in eine Familien G.m.b.H. umgewandelt. Die Anteile der Firma waren auf Lina Conitzer und ihre beiden Söhne, Oskar und Harry, verteilt. Meine Tochter atmet tief aus und sagt: „Geht es bei der Hochzeit nur um das Geschäft? Wo ist die Romantik? Wo bleibt die Liebe?“ Ich erwidere: „Weder über die Romantik noch über die Liebe wird in den alten Zeitungen und Archiven berichtet. Leider gibt es dazu keine Aufzeichnungen. Die Kaufleute mussten zu allererst an das Weiterbestehen ihrer Firma denken.“ Meine Tochter denkt nach, dabei kräuselt sich ihre Stirn und ihre Augen schauen zur Decke. „Stimmt! Ist auch ihre private Angelegenheit.“, sagt sie. „Wir können uns einfach für sie freuen.“, sage ich. „Lina hat wieder einen Mann für ihr Leben gefunden, das ist schön.“, meine Tochter ist überzeugt. Lina behielt den Namen Conitzer und nannte sich Lina Lazar-Conitzer .
Nach dem Tod von Paul Conitzer war die Lage für die Firma kompliziert. Lina musste sich nach dem Tod ihres Mannes um zwei Geschäfte und zwei Jungen im Alter von 13 und 16 Jahren kümmern. Es ist nicht einmal sicher, dass sie wirklich Zeit zum Trauern hatte, obwohl die jüdische Tradition es vorsieht . Die Familie Conitzer war sehr aktiv in der jüdischen Gemeinde Duisburgs . Ihre Geschäfte waren beispielsweise an den höchsten jüdischen Feiertagen, wie Jom Kippur, geschlossen . Es ist gut vorstellbar, dass Lina Trost und Halt in der jüdischen Gemeinde suchte, und vielleicht fand sie dort ihren neuen Lebensgefährten.
Hinzu kam die komplizierte Lage in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, der mit dem Friedensvertrag von Versailles zwar beendet wurde, aber Deutschland in eine schwierige wirtschaftliche Lage brachte. Denn Deutschland musste Reparationen zahlen, was zu einer hohen Inflation führte. Am 11. Januar 1923 wurde sogar das Ruhrgebiet, und damit auch Duisburg, durch französische und belgische Soldaten besetzt. Durch den passiven Widerstand der deutschen Regierung gegen diese Besetzung entwickelte sich die Inflation in eine Hyperinflation .
„Hyperinflation? Darunter kann ich mir gar nichts vorstellen?“, meine Tochter meldet sich zu Wort. Ich denke kurz nach und sage: „Inflation heisst, dass dein Geld an Wert verliert, und du weniger kaufen kannst. Du musst also für ein Pfund Butter mehr bezahlen und kannst somit von deinem Lohn weniger Butter kaufen. Allerdings ist es gut für deine Schulden, denn diese kannst du durch die Inflation schneller zurückzahlen.“ Meine Tochter denkt kurz nach und sagt: „Das verstehe ich, aber wieso Hyper?“ „Sehr gute Frage.“, antworte ich, „In der Hyperinflation verliert das Geld sehr schnell seinen Wert. Im schlimmsten Fall kannst du dir von dem Geld, mit dem du am Morgen die Schulden für dein Haus zurückgezahlt hast, am Abend nicht einmal mehr ein Pfund Butter kaufen. Dein Haus ist also nur noch ein Pfund Butter wert. In der Hyperinflation darf man das Geld deshalb nicht lange behalten, das war ein großes Problem für die Banken und Kaufmänner und Kauffrauen, wie Benjamin Lazar und Lina Lazar-Conitzer.“ Oskar Conitzer hat dieses Problem in seiner Dissertation „Preisfaktoren und Preisbildung im deutschen Textilgewerbe“ genau beschrieben. Auf Seite 109 schreibt er:
„Hier wird man die Frage aufwerfen: Wie kommt es, daß überhaupt bei Abschluß der Inflation noch Firmen existieren, die trotz des dauernden Verkaufs ihrer Waren unter Wiederbeschaffungspreisen noch über Betriebskapital verfügten? Die Erklärung hierfür ist die Tatsache, daß man sich gegen Geldentwertung durch Kauf von Waren gegen Dreimonatsakzepte sichern konnte. Was an den schlechten Verkaufspreisen verloren wurde, wurde dann durch die Markspekulation à la baisse wieder hereingeholt.“
Conitzer, Oskar: Preisfaktoren und Preisbildung im deutschen Textilgewerbe: unter Berücksichtigung der Preisbildung in der Kriegszeit und Inflation : Universitätsverlag von Robert Noske in Borna-Leipzig, 1932
Vereinfacht heißt es: Die Firmen kauften die Waren auf Kredit und sicherten sich so gegen den Verfall der Währung ab, denn diese Kredite konnten sie dann sehr einfach mit dem abgewerteten Geld zurückzahlen. Während die Verkäufer der Waren diese Kredite sofort bei der Reichsbank gegen reales Geld eintauschten. Dieser Kreislauf führte letztendlich zur Hyperinflation, weil die Reichsbank immer weiter neues Geld drucken musste.
Die Geschäfte gingen auch in dieser turbulenten Zeit wie gewohnt weiter, und es wurden, wie vor dem Krieg, die „Weissen Wochen“ gefeiert. In dieser Woche waren die weißen Waren, also Tischdecken, Bettwäsche oder Gardinen, besonders günstig zu bekommen. Hier sieht man eine Anzeige aus dem Jahr 1925. Besonders hervorheben muss man das Angebot für die Kinder: Es gab ein Riesen-Zepellin-Luftschiff, wenn man für mindestens sechs Mark einkaufte.
Anzeige Paul Conitzer mit gratis Riesen-Zepellin-Luftschiff, Quelle:
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage war die Nachfrage nach den Produkten des Kaufhauses Conitzer immer noch stark. Das zeigt die folgende Anzeige für die Saisonausverkaufstage ebenfalls aus dem Jahr 1925. Diese Tage waren ein Höhepunkt des Duisburger Einkaufslebens und das Geschäft Paul Conitzer wurde gestürmt. Hier wurden 30-40 Aushilfen gesucht, damit das Geschäft auf den Kundenansturm vorbereitet war.
Anzeige Paul Conitzer Stellengesuch für Ausverkaufstage, Quelle:
Die Hamborner Volkszeitung berichtete sogar in einem kleinen Artikel von den Ausverkäufen im Jahr 1926:„Ein Gang durch die Beekstraße zeigt uns, daß der Andrang zu den Inventur-Ausverkäufen sehr stark ist. Die Firma Paul Conitzer G.m.b.H das weitaus größte Etagengeschäft am ganzen Niederrhein, soll es durch enorme Zurücksetzung der Preise verstanden haben, jedem sogar in der heutigen schweren Zeit die Möglichkeit zu geben, sich mit soliden Qualitäten, wie sie gerade von dieser Firma gebracht werden, einzudecken.“
Quelle: Hamborner Volkszeitung, 06.01.1926, Seite 6
Am 9. März 1926 stieg Oskar Conitzer, der Sohn von Lina und Paul, in das Geschäft ein. Vorher hatte er im Jahr 1923 sein Studium an der Universität Frankfurt abgeschlossen. Nach einem Volontariat bei einem befreundeten Unternehmen von 1919 bis 1921 studierte er an der Universität Köln und in Frankfurt. Wenig später heiratete Oskar Conitzer am 22. Mai 1926 die Tochter des Kaufmannes Carl Herz,: Ilse Herz. Carl Herz betrieb ebenfalls ein Kaufhaus in Duisburg . Am 23. März 1927 wurde ihr erster Sohn geboren. Er wurde, nach dem Gründer des Kaufhauses und dem Vater von Oskar, Paul Conitzer genannt.
Am 29. Dezember 1928 starb völlig unerwartet Benjamin Lazar, der Senior-Chef der Paul Conitzer G.m.b.H und zweite Ehemann von Lina Lazar-Conitzer. In der Anzeige zu seinem Tod finden sowohl die Angehörigen als auch die Mitarbeiter einen Ton, der den Charakter von Benjamin Lazar beschreibt. Oskar und Harry verloren einen „väterlichen Freund“, Lina vermisste ihren „lieben, guten Mann“. Die Mitarbeiter der Paul Conitzer G.m.b.H. beklagten den Verlust ihres herzensguten Senior-Chef. Benjamin Lazar war ein respektierter Kaufmann in Duisburg. Er wurde nur 51 Jahre alt.
Todesanzeige Benjamin Lazar, Quelle:
„Oh, nein!“, sagt meine Tochter. „Arme Lina. Es ist bestimmt fürchterlich zwei Ehemänner zu verlieren. Wie sie sich wohl gefühlt hat?“ Meine Erwiderung gestaltet sich schwierig: „Bestimmt war sie traurig, Leider erfährt man wenig über die Gefühle der Menschen in dieser schweren Zeit. Aus der Formulierung der Anzeige bekommt man eine gute Beschreibung von Benni Lazar. So ist es naheliegend, dass sie ihn vermisst hat und sie ein gutes Leben zusammen hatten. Immerhin waren Oskar und Harry mittlerweile erwachsen und Lina hatte dieses Mal Zeit zu trauern.”
Der Kaufmann muss sich um das Geschäft kümmern und so feierte das Unternehmen Paul Conitzer bereits drei Jahre später, am 1. März 1931, sein 25jähriges Jubiläum. Die Rhein- und Ruhrzeitung widmete dem Jubiläum der Firma Paul Conitzer sogar einen eigenen Artikel . In derselben Ausgabe befand sich auch die große Anzeige des Geschäfts zum Jubläumsverkauf.
Anzeige Paul Conitzer 25jähriges Jubiläum, Quelle:
„Jetzt können wir uns endlich die wunderschönen Geschenke aus Duisburg von Jörg Weißmann anschauen“, schlage ich vor. „Und dabei nochmal die Geschichte der Firma erzählen.“ Die Firma wurde 1906 als Bazar für Gelegenheitsposten von Lina Conitzer gegründet. „Hier ist das erste Geschenk aus Duisburg von Herrn Jörg Weißmann!“, sage ich und zeige allen den Bildschirm meines Handys. „Ihr seht das Geschäft in der Knüppelgasse 6/8.“ Unsere Töchter schauen interessiert auf das Handy. „Voll nett von Herrn Weißmann! Vielleicht hat er es auf einem Flohmarkt gefunden, wo findet man sonst diese Karten?“, sagt meine Tochter. Diese Karte zeigt den Blick auf die Salvatorkirche aus der Beekstraße. Bog man rechts ab, den Straßenbahnschienen folgend, begann die Knüppelgasse, die heute leider nicht mehr existiert. Die Neuordnung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Knüppelgasse von dem Duisburger Stadtplan entfernt. Sie lag irgendwo zwischen der heutigen Schwanenstraße und dem Burgplatz.
Postkarte Lina Conitzer Bazar für Restposten, Knüppelgasse 6/8, Quelle: Jörg Weißmann, Hamborner Geschichtswerkstatt
„Hier ist noch ein schöneres Bild von Jörg Weißmann. Er hat mir geschrieben, diese Postkarte ist sehr selten. Er hat noch keine zweite gesehen.“, sage ich. „Es zeigt den Putzladen von Paul Conitzer.“, füge ich noch hinzu. Die Kinder schauen wieder auf mein Handy. „Wow, sogar in Farbe!“, unsere Töchter sind begeistert. „Konnte man dort Putzlappen kaufen?“, fragt eine direkt. Ich entgegne: „Nein, Putzlappen gab es in dem Geschäft nicht. Schaut, auf dem Bild steht im ersten Stock auf den Fenstern „Modellhutausstellung, II. Etage“. Daneben ist so eine Abbildung. Das könnte eine riesengroße Straußenfeder sein. Diese Federn trugen die Damen an ihren Hüten. In einem Putzladen konnte man also Damenhüte kaufen. Diese Hüte waren damals groß in Mode und sehr beliebt.“ Alle schauen jetzt nochmal genau auf die Karte. „Da gibt es sogar eine Frau mit Kinderwagen!“, „Und da kommt ein Fahrrad.“, „Wo sind eigentlich die Autos?“ Ich antworte: „Das stimmt, es gibt wirklich keine Autos. Vielleicht ist es früh am morgen.“ Unsere Mädchen haben sogar den Flohmarkt vergessen. „Voll nett, dass Herr Weißmann so schöne Fotos geschickt hat.“, ergänzt meine Frau noch.
Postkarte Paul Conitzer Putzgeschäft, Knüppelgasse 6/8, Quelle: Jörg Weißmann, Hamborner Geschichtswerkstatt
„Gibt es noch mehr Postkarten?“, fragt eine unserer Töchter. „Ja, gibt es. In dieser Postkarte ist viel mehr los auf der Straße. Autos sieht man trotzdem nicht. Ich glaube, es gab damals wirklich nur sehr wenige und diese fuhren nicht in der Stadt.“ Alle schauen interessiert auf das Handy und die Postkarte. „Wo ist Paul Conitzer?“, fragt meine Frau. „Das weiße Haus ganz am Ende der Straße ist der Putzladen von Paul Conitzer. Um den Schriftzug zu lesen, braucht man eine Lupe.“
Postkarte Blick in die Beekstraße, Quelle: Jörg Weißmann, Hamborner Geschichtswerkstatt
„Auf der letzten Karte sieht man das Etagengeschäft von Paul Conitzer in der Beekstraße 30/32. Schaut hier!“, rufe ich und zeige auf mein Handy. „Am Haus steht ganz klar der Name Conitzer. Hier braucht es auch keine Lupe. Das Geschäft war in der ersten Etage des Hauses. Der Eingang zum Geschäft befand sich direkt unter der Uhr. Im Hintergrund sieht man den Turm der Salvatorkirche, der ebenfalls auf den anderen drei Karten zu sehen ist. Die Geschäfte waren tatsächlich nur wenige 100 Meter auseinander.“
Postkarte Beekstraße, Quelle: Jörg Weißmann, Hamborner Geschichtswerkstatt
„Papa, du erzählst immer von diesem Etagengeschäft, was ist das überhaupt?“, fragt meine andere Tochter. „Die Frage habe ich mir auch schon gestellt.“, sage ich. „Ich stelle es mir so vor: In einem Etagengeschäft muss der Kunde zuerst eine Treppe hochsteigen, bevor er das Geschäft in der ersten Etage betreten kann. Die Treppe ist wie eine Barriere für den Kunden, dass heißt der Inhaber muss gute Anreize setzen, damit die Kunden diese Barriere überwinden und bei ihm einkaufen möchten. Aber die Miete für das Etagengeschäft war günstiger und damit konnten die Waren noch billiger angeboten werden.
„Guckt mal! Ich habe einen Plan auf einem historischen Stadtplan der Stadt Duisburg gemalt. Dort habe ich die Geschäfte von Paul Conitzer in der Duisburger Innenstadt eingezeichnet. Die Nummer 1 bezeichnet das Putzgeschäft von Paul Conitzer in der Knüppelgasse 6/8, die Nummer 2 steht auf der Beekstraße 30/32 und die Nummer 3 zeigt das neue Kaufhaus in der Beekstraße 25.“
Ausschnitt Stadtplan Duisburg von 1926, Quelle: Stadtplan 1926 von https://opendata-duisburg.de/dataset/historische-stadtpläne verwendet unter Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland
Nach dem 25jährigen Jubiläum zog das Kaufhaus Paul Conitzer am 30. April 1932 ein letztes Mal um. Das Etagengeschäft in der Beekstraße 30/32 wurde geräumt, und das Kaufhaus öffnete das neue Geschäft im eigenen Haus in der Beekstraße 25. Damit endete die Geschichte des größten Etagengeschäfts am Niederrhein, denn das Kaufhaus lag nun im Parterre und besass endlich ein Schaufenster. Allerdings sollte dieses Schaufenster nicht genutzt werden, wie ein Bericht im Duisburger Generalanzeiger versicherte:
„Die Firma Paul Conitzer, G.m.b.H., deren verstorbener Gründer zu den ersten Schöpfern des Etagengeschäftes in Deutschland zählte, verläßt am 30. April 1932 ihre bisherigen gemieteten Räume und bezieht im eigenen Haus Beekstraße 25 ihr neues Geschäftslokal. Interessant ist, daß die Fa. Conitzer zur größeren Bequemlichkeit der Kundschaft ein Parterrelokal bezieht jedoch am alten Prinzip des Etagengeschäftes festhält und auch weiter auf jede Schaufensterdekoration verzichtet. So stellt die Firma Conizter nun einen neuen Geschäftstyp den wir am besten als „Etagengeschäft zur ebenen Erde“ benennen können. Dieser Geschäftstyp ist in Deutschland völlig neu und wird sicher dem alten Etagengeschäft viele neue Freunde erwerben.“
Quelle: Duisburger Generalanzeiger, 01.05.1932, Seite
Das größte Etagengeschäft am Niederrhein wird umgewandelt in das größte „Etagengeschäft zur ebenen Erde“. Offensichtlich versuchte man schon damals die Superlative nicht zu verlieren. In der folgenden Anzeige der Firma wurde auf dieses Detail allerdings verzichtet. Man konzentrierte sich auf die Angebote des Kaufhauses.
Anzeige Paul Conitzer Eröffnung Beekstraße 25, Quelle:
Wir sitzen noch eine zeitlang auf der Bierbank und schauen über die Dächer Hamburgs. Die Sonne geht langsam unter. Unsere Töchter sind wieder losgezogen auf die andere Seite des Flohmarktes. Ich denke, die Suche nach Schnäppchen hört einfach nie auf, obwohl die Kaufhäuser so langsam verschwinden. Das Kaufhaus Conitzer in Duisburg gibt es nicht mehr. Genauso wie alle anderen Kaufhäuser der Familie Conitzer. Das traurige Ende der Firma Paul Conitzer erzähle ich euch in der nächsten Geschichte.
Danksagung: Ich möchte mich dieses Mal besonders bei Jörg Weißmann von der Hamborner Geschichtswerkstatt bedanken, der mir die wunderbaren Duisburger Postkarten zur Verfügung stellte. Teilweise sind diese Postkarten sehr selten. Ich freue mich, dass sie jetzt genutzt werden konnten, die Geschichte der Firma Paul Conitzer zu illustrieren.
Quellen:
Weitere Geschichten der Familie Conitzer …
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Hans Jacob und der Krieg im Äther
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Gefangener 13663 – Erinnerungen aus dem Konzentrationslager